Zum Tod Eckehart SchumacherGeblers

Am 17. Dezember 2022 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit unser Chef Eckehart SchumacherGebler im Kreis seiner Familie. Der Firmeninhaber der Offizin und Co-Geschäftsführer des Typostudio SchumacherGebler hinterließ ein großes, kaum zu erfassendes Lebenswerk.

Nach einer Ausbildung zum Buchdrucker, um später die elterliche Druckerei in München zu übernehmen, folgte eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Er entdeckte seine Leidenschaft für Schrift am kleinen “a” der Folio, eine seiner liebsten Anekdoten. Seitdem war kein Buchstabe mehr vor seinem Wissensdrang und seiner Analyse sicher. Es folgt das Fachstudium an der Akademie für das Graphische Gewerbe in München und Anfang der 1960er Jahre übernahm er schließlich den elterlichen Betrieb. Mit Mut und Weitsicht etablierte er in Folge das Typostudio SchumacherGebler als Layoutsetzerei in der bayrischen Landeshauptstadt und damit begann seine große Leidenschaft für die Monotype-Satzmaschinen. Und mit der beginnenden neuen Medienrevolution, als Bleisatz aus den Fenstern der Setzereien gekippt wurde und Buchdruckmaschinen ohne Wimpernzucken zum Schrott gegeben wurden, glaubte er fest an Gutenbergs Vermächtnis und begann das Sammeln und Retten. Er engagierte sich zeitlebens nebenher in zahlreichen Fachausschüssen und Vereinigungen, wie beispielsweise der tgm, IADM und AEPM. Woher er für so viele Tätigkeiten die Zeit nahm, wird ewig ein Rätsel bleiben.

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung begann ein weiterer großer Lebensabschnitt: Von der Treuhand übernahm er das Traditionsunternehmen Offizin Haag-Drugulin samt aller Mitarbeiter und brachte es mit den Münchner Beständen zusammen. Er gründete das Museum für Druckkunst in Leipzig und schuf damit einen öffentlichen Raum für die lebendige Vermittlung der Druckgeschichte. Später folgte der Umzug der Offizin nach Dresden in eigene Räumlichkeiten, zusammen in ein Haus mit dem Typostudio SchumacherGebler. 2013 initiierte er den Verein für die Schwarze Kunst e.V. und schuf damit ein weiteres lebendiges Vermächtnis zum Wissenserhalt und der Vermittlung der Druckkunst.

Bis zuletzt erreichten ihn beinahe täglich Fragen zur Schriftidentifikation oder zur Geschichte der Typographie. Seine Expertise stellte er, glücklich wie ein Archäologe über seine eigenen Funde, gern anderen zur Verfügung und veröffentlichte sie in den Nachwörtern der Bibliothek SG und der Typothek 1 sowie zahlreichen weiteren Aufsätzen. Die vielen Ehrungen, darunter eine Ehrenprofessur und zuletzt der Gutenbergpreis der Stadt Mainz, zeugen von der Bedeutung seines Wirkens. Seine Bibliothek ist legendär und nicht selten kam er zu uns Mitarbeitern, um eine Schrift aus einem jahrhundertealten Buchschatz zu zeigen und Hintergründe zu erklären. Rätsel gab es immer, neue Spuren auch, und so hörte er mit seiner Neugier nie auf zu suchen und zu finden. Auf seinem Schreibtisch türmen sich angefangene Projekte, Arbeit für sicherlich mehr als zehn weitere Jahre.

Er war ein absoluter Ästhet, ein unglaublich gewandter Redner, ein Enthusiast für die Sache. Selten schaffte es jemand so lebendig, einfach und dennoch tiefgehend über historische und ästhetische Belange der Typographie zu schreiben. Sein penibles Arbeiten, seine nicht aufhörenden Verbesserungswünsche, der halbe Punkt dort, die drei Cicero hier, die Farbe ein kleines bisschen zurücknehmen; er trieb uns manchmal an den Rand der Verzweiflung und behielt beim Betrachten des Ergebnisses dennoch recht. Sein hoher Qualitätsanspruch wurde unser Ansporn. Und dann kam zwischendrin immer sein leiser Humor durch, eine erkenntnisreiche Anekdote, eine neue großartige Idee für ein nächstes Projekt.

2020 begann Eckehart SchumacherGebler noch mit der Planung und Durchführung großer Ausbaupläne für die Offizin. Leider wird er die Fertigstellung seiner Vision nicht mehr erleben. So wie er auch das Ergebnis seiner letzten intensiven Arbeiten zur Replikation einer Bibelseite aus Gutenbergs B42 nicht mehr ansehen konnte. Er hinterlässt Fußspuren, die kaum zu füllen sind und eine große Lücke, menschlich wie fachlich.

Nachruf Eckehart SchumacherGebler